Marcus Creutzburg, Dissertation, Fachbereich Physik der Universität Hamburg, 2020 :

"Adsorption von Carbonsäuren auf Magnetiteinkristalloberflächen"


"Adsorption of Carboxylic Acids on Magnetite Single Crystal Surfaces"


Der Volltext wurde als Buch/Online-Dokument (ISBN ) im Verlag Deutsches Elektronen-Synchrotron veröffentlicht.

Summary

Kurzfassung

Magnetit ist ein vielseitiges Übergangsmetalloxid mit Anwendungen in der Katalyse, der biomedizinischen Bildgebung und in spintronischen Geräten. Darüber hinaus werden Magnetitnanopartikel, die mit Ölsäure bedeckt sind, zu neuartigen, hierarchisch aufgebauten Nanokompositen mit hervorragenden mechanischen Eigenschaften in Bezug auf Festigkeit und Härte geformt. Trotz ihres starken Einflusses auf die Stabilität und die Eigenschaften der Nanokomposite ist über die Wechselwirkungen, die an der Grenzfläche zwischen Oxid und Carbonsäure stattfinden, wenig bekannt. Um diese Materialien weiter maßzuschneidern, ist es notwendig, die kontrollierte Adsorption von Carbonsäuren an gut definierten flachen Magnetiteinkristalloberflächen zu untersuchen. Die saubere Magnetit-(111)-Oberfläche wurde mittels niederenergetischer Elektronenbeugung (LEED), Rastertunnelmikroskopie (STM) und Oberflächenröntgenbeugung (SXRD) untersucht. Die Oberfläche zeigt die Fe-tet1-Terminierung nach mehreren Zyklen von Sputtern mit Argonionen und Heizen in Sauerstoffatmosphäre und Ultrahochvakuum (UHV). Mittels STM kann aus der Stufenhöhe geschlossen werden, dass der Kristall eine homogene Terminierung aufweist. Die Defektkonzentration in der Fe-tet1-Lage liegt jedoch bei etwa 35%. Auf die saubere (111)-Oberfläche von Magnetit wurde anschließend Ameisensäure dosiert. Als einfachste Carbonsäure wurde Ameisensäure bereits in der Vergangenheit als Testmolekül für längerkettige Säuren benutzt. Messungen mittels Fourier-Transformations-Infrarot-Reflexions-Absorptionsspektroskopie (FT-IRRAS) lassen auf Dissoziation des Ameisensäuremoleküls bei Raumtemperatur schließen und zeigen, dass zwei unterschiedliche Adsorptionsplätze von Formiatmolekülen eingenommen werden. Bei geringer Bedeckung binden die Formiatmoleküle in einer Chelat-Bidentat-Geometrie mit beiden Sauerstoffatomen an ein einziges tetraedrisch koordiniertes Eisenion. Atomarer Wasserstoff, der bei der Dissoziation entsteht, bindet an die sauerstoffterminierten Eisendefektstellen. Mit zunehmender Bedeckung adsorbiert Ameisensäure in einer Quasi-Bidentat-Konfiguration, wobei ein Formiatsauerstoffatom an ein tetraedrisches Eisenion und das andere an eine OH-Gruppe an der Oberfläche gebunden ist. Bei Sättigungsbedeckung wird die Oberfläche von einer (sqrt(3) x sqrt(3)) R 30° Überstruktur bedeckt, die durch Formiatmoleküle gebildet wird und mit LEED und STM sichtbar ist. Beide Adsorptionsgeometrien tragen zur Bildung der Überstruktur bei. Die Adsorption von Ölsäure auf der (001)-Oberfläche hebt 90% der (sqrt(2) x sqrt(2)) R 45° Rekonstruktion der sauberen Oberfläche bei Raumtemperatur auf, was durch LEED und SXRD nachgewiesen wurde. Der Mechanismus soll auf gleichem Weg erfolgen wie bei der Adsorption von atomarem Wasserstoff, Wasser oder Ameisensäure. Ölsäure dissoziert auf der Oberfläche. Die Adsorption von Wasserstoff destabilisiert das tetraedrische interstitielle Eisenion, das anschließend in eine der beiden oktaedrischen Leerstellen diffundiert. Die zweite Leerstelle wird durch Eisendiffusion aus tieferen Lagen gefüllt. Die FT-IRRAS Ergebnisse zeigen, dass Ölsäure dissoziiert und in einer Bidentat-Brückengeometrie adsorbiert. Die lange Kohlenstoffkette ist senkrecht zur Oberfläche ausgerichtet. Mit zunehmender Ölsäurebedeckung beginnen nicht-dissoziierte Moleküle parallel zur Oberfläche zu adsorbieren. Die Adsorption von Ölsäure auf der Magnetit-(111)-Oberfläche unterscheidet sich von der (001)-Oberfläche. Sowohl dissoziierte als auch nicht-dissoziierte Moleküle adsorbieren in einer aufrechten Geometrie, was in Röntgenreflektivitätsmessungen (XRR) zu einer höheren Schichtdicke und einer höheren Elektronendichte als auf der (001)-Oberfläche führt. Nach Heizen der Ölsäurelage bei 350 °C nimmt die Dicke und Elektronendichte der Ölsäureschicht sowohl auf Magnetit (111) als auch auf (001) durch Moleküldesorption und mögliche Verkippung ab. Es kommt des Weiteren zu einer atomaren Aufrauung des Magnetitsubstrats. Das unterschiedliche Adsorptionsverhalten von Ameisen- und Ölsäure an den (001)- und (111)-Magnetiteinkristalloberflächen und die nachfolgenden Strukturveränderungen im oberflächennahen Bereich von Magnetit sind wichtige Aspekte für ölsäurestabilisierte Magnetitnanopartikel. Die Struktureigenschaften solcher Nanokompositmaterialien können durch Veränderung des Verhältnisses von (111)- und (001)-Facetten und damit der Moleküldichte von Ölsäure maßgeschneidert werden.

Titel

Kurzfassung

Summary

Magnetite is a versatile transition metal oxide with applications in catalysis, biomedical imaging and spintronic devices. Moreover, magnetite nanoparticles covered with oleic acid are formed into novel nanocomposite, hierarchical materials with outstanding mechanical properties in terms of strength and hardness. Despite their strong influence on the stability and properties of the nanocomposites, little is known about interactions that take place at the oxide/organic interface. In order to further tailor and improve these materials, it is necessary to study the controlled adsorption of carboxylic acids on well-defined flat magnetite single crystal surfaces. Following the surface science approach the clean magnetite (111) surface was investigated in this thesis using low energy electron diffraction (LEED), scanning tunneling microscopy (STM) and surface X-ray diffraction (SXRD). The surface was found to be Fe-tet1 terminated after several cycles of argon ion sputtering and annealing in an oxygen atmosphere followed by annealing in ultra-high vacuum (UHV). The surface was homogeneously terminated by a Fe-tet1 layer however, the surface defect concentration, i.e. missing tet1 iron ions, was around 35%. The clean magnetite (111) surface was subsequently exposed to formic acid. As the simplest carboxylic acid, formic acid has been used as a probe molecule for longer carbon chain carboxylic acids in the past. The molecule was found to dissociate upon adsorption at room temperature. Fourier transform infrared reflection-absorption spectroscopy (FT-IRRAS) revealed two adsorption sites for the formate molecule. For low coverages, the formate molecule was adsorbed at the surface in a chelating bidentate geometry with both formate oxygen atoms bound to a single substrate tetrahedral iron ion and the remaining atomic hydrogen was bound to the oxygen terminated iron defect sites. With increasing coverage, formic acid was adsorbed in a quasi-bidentate configuration with one formate oxygen bound to a tetrahedral iron ion and the other bound to an OH group on the surface. The surface was covered by a (sqrt(3) x sqrt(3)) R 30° superstructure at saturation coverage, which was visible with LEED and STM. Both adsorption geometries contributed to the formation of the superstructure. The adsorption of oleic acid on the magnetite (001) surface at room temperature was observed to lift 90% of the (sqrt(2) x sqrt(2)) R 45° reconstruction of the clean surface as proven by LEED and SXRD. The lifting mechanism is expected to follow the same path as for the adsorption of atomic hydrogen, water vapor and formic acid on magnetite (001). The adsorption of hydrogen destabilizes the tetrahedral interstitial iron, which subsequently diffuses into one of the two octahedral vacancies. The second vacancy is filled by iron diffusion from deeper layers. FT-IRRAS results revealed that oleic acid molecules adsorbed in a bidentate bridging geometry and the long carbon chain was oriented perpendicular to the surface. With increasing oleic acid coverage, non-dissociated molecules started to adsorb parallel to the surface. The adsorption of oleic acid on the magnetite (111) surface was different from the (001) surface. Both dissociated and non-dissociated molecules were adsorbed in an upright geometry resulting in a higher layer thickness and higher electron density than on the (001) surface as determined by X-ray reflectivity (XRR). When annealing the oleic acid layer at 350 °C, the thickness and electron density of the layer decrease on both magnetite (111) and on (001) as a result of molecule desorption and possible tilt. In addition an atomic roughening of the magnetite substrate occurs. The different adsorption behavior of formic and oleic acid on the (001) and (111) magnetite single crystal surfaces and the subsequent structural changes in the near-surface region of magnetite are important aspects for oleic acid stabilized magnetite nanoparticles. The structural properties of such nanocomposite materials can be tailored by changing the ratio of (111)-type and (001)-type facets hence changing the oleic acid molecule density.